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Dezember 19, 2009

Advent – Mach einen Umweg

Posted in: Internet-Kanzel

Internet-Kanzel

Bertram Bolz, katholischer Touristen- und ResidentenseelsorgerWenn ich einen wichtigen Termin habe, zu dem ich unter keinen Umständen zu spät kommen möchte, dann passiert es mir garantiert immer wieder, dass ich an eine Baustelle oder in einen Stau gerate und mich gedulden oder eine Umleitung fahren muss. Wenn ich dann sowieso schon knapp in der Zeit bin und mich die Uhr unaufhaltsam vorwärtsdrängt, dann verlaufe ich mich auch noch und spüre, wie ich immer hektischer und nervöser werde. Dabei will ich doch, gerade wenn ich in Eile bin, eben keinen Umweg machen. Ich möchte mich durch nichts und niemanden aufhalten lassen und eben auf dem schnellsten Weg an mein Ziel kommen.

Ein japanisches Sprichwort sagt mir aber nun genau das Gegenteil: „Wenn du in Eile bist, dann mach einen Umweg!“ Ein Satz, der beim ersten Hören vielleicht etwas seltsam klingt, der aber – genauer betrachtet – eine große, ja überaus große Hilfe sein kann. Ein Umweg bremst ja; ein Umweg zwingt uns zur Langsamkeit; ein Umweg nimmt uns heraus aus all dem Hasten und Rennen. Ein Umweg gönnt uns eine Atempause und sorgt dafür, dass wir Zeit gewinnen. Ja – Sie haben richtig gelesen: Wir gewinnen Zeit durch einen Umweg – nämlich Zeit für uns selbst; Zeit, um uns innerlich einzustellen auf das, was uns am Ziel erwartet – damit wir wirklich auch ganz da sind, wenn wir ankommen.

„Wenn du in Eile bist, mach einen Umweg!“ Ich halte das für einen guten Rat für all die Menschen, die ich jetzt schon wieder gehetzt durch die Tage des Advents „rennen“ sehe. Wenn Sie auch zu diesen Menschen gehören, dann möchte ich Ihnen raten: Machen Sie einen Umweg. Auf den überfüllten Geschäftsstrassen und den dichtgedrängten Fußgängerzonen, da werden Sie geschoben und gedrängt – aber in den stilleren Seitenstraßen, da können Sie den Schritt verlangsamen und stehen bleiben; da können Sie auch mal innehalten, das Tempo und die Richtung selbst bestimmen. Vielleicht finden Sie auch eine Kirche, einen Ort, an dem Sie zur Ruhe kommen und an dem Sie in Ruhe überlegen können, was Ihnen die kommenden Festtage, was Ihnen Weihnachten bedeutet. Verabschieden Sie sich aus dem Strom derer, die dem Fest entgegenhasten, und vergessen Sie für einige Augenblicke die vorweihnachtliche Geschäftigkeit und Geschäftemacherei.
Machen Sie einen Umweg: Sicher gibt es auch in Ihrer unmittelbaren Umgebung jemanden, der sich über ein gutes Wort von Ihnen freut – sei es der/die Nachbar/in im Hotel, der Appartementanlage oder der Urbanisation; sei es der Kellner oder das Zimmermädchen, die Ihnen versuchen, Ihren Urlaub so angenehm wie möglich zu gestalten. Vielleicht gibt es auch jemanden, den Sie schon länger kennen, und der oder die sich über einen Besuch von Ihnen freuen würde – oder auf ein Zeichen der Verbundenheit gerade von Ihnen wartet. Zeigen Sie, dass das Geheimnis dieser Tage des Advents „Begegnung“ heißt und eine solche ist durch kein noch so großartiges Geschenk dieser Welt zu ersetzen.

Machen Sie einen Umweg – auch einen Umweg nach innen: Die Kerzen am Adventskranz laden Sie ein, Ihrem Leben auf den Grund zu gehen. Schauen Sie an, was aus all Ihren Hoffnungen und Zielen, was aus Ihrem Glauben geworden ist. Überlegen Sie, was Sie noch erwarten und wofür Sie dankbar sein können. Wenn Sie an Weihnachten – dem Fest der Liebe, des Friedens und der Geborgenheit in Gott – ganz da sein und dieses Fest wirklich aufrichtig feiern wollen – dann machen Sie in diesen Tagen des Advents: einen Umweg.

Bertram Bolz, Diakon
Kath. Touristen- und
Residentenseelsorger

Kapelle San Telmo, Puerto de la Cruz


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