Masken ablegen und freundlich sein
Posted in: Internet-Kanzel, Karneval
Haben Sie Ihre Maske schon abgelegt?
Nachdem der Karneval nun in den meisten Gemeinden Teneriffas vorüber ist, möchte ich Sie nun fragen:
Haben Sie sich schon demaskiert?
Die Maske, so meinen ja manche, zeige erst das wahre Gesicht eines Menschen. So wie ich mich also verkleide, so möchte ich in Wirklichkeit sein – zumindest manchmal sein. Das ist ja immer noch ein gewaltiger Unterschied. Viele Menschen verkleiden, schminken und maskieren sich in diesen närrischen Tagen also nur, um mal ihre Alltagsmasken abzulegen. Die „Ich-bin-so-freundlich-Maske“; das „Wie-kann-ich-ihnen-helfen-Gesicht“; „die-macht-mir-gar-nichts-aus-Miene“… endlich mal weg damit und so richtig aus sich herausgehen. Dafür ist Karneval gut – dafür brauchen wir diese Tage, an denen Masken aufsetzen endlich erlaubt ist. Obwohl es ja mitunter wirklich besser wäre, so manche Sau würde in diesen Tagen nicht herausgelassen…
Aber trotz dieser möglichen Auswüchse: Manche Menschen brauchen diese Karnevalsmasken, so wie sie im Alltag eben ihre Alltagsmasken brauchen.
Schließlich gilt doch: Es muss mir ja nicht jede und jeder schon von weitem ansehen, dass ich mal nicht so gut drauf bin; dass ich Krach mit meiner Ehefrau habe oder mit den Kindern im Clinch liege; dass mein Chef mir angedroht hat, mich beim nächsten Fehler auf die Strasse zu setzen; dass ich unheilbar krank bin. Manchmal bleibe ich eben lieber allein mit meiner Traurigkeit. Es geht doch keinen etwas an – und da ist es eben gut, wenn man sich hinter einem freundlich-professionell dreinschauenden Gesicht verstecken kann.
Die Alltagsmasken, wo sich hinter einem Lächeln oder Grinsen in Wirklichkeit ein ganz mieser Charakter versteckt – zugegeben – die gibt es auch. Wenn ich eben nur das Gesicht sehe, nur die Oberfläche, dann weiß ich eben erst relativ wenig über den Menschen, der da vor mir steht. Und es ist mir durchaus bewusst, dass hinter den witzigsten und verruchtesten Verkleidungen mitunter überaus traurige Gestalten bei den Umzügen mittraben.
Ob es die tröstet, weiß ich nicht. Aber für mich, der ich als echter Fasnachtsnarr groß geworden bin, für mich ist es außerordentlich wichtig, dass Gott mich ganz und gar kennt; dass er mich von Kopf bis Fuß durchschaut. Er kennt mich und meinen Lebensweg und er will diesen Weg in Liebe und Zuneigung mit mir gehen – mit Maske oder ohne. Das ist ihm einerlei und mich stimmt es froh und zufrieden. Warum sollten wir uns als Christen auch nicht am Leben erfreuen? Wir sind in Gott geborgen. Das ist Fakt. Wir müssen die Welt nicht erlösen, denn das hat ER bereits für uns getan. Gerade deshalb aber kann ich – auch in weltpolitisch schwierigen Zeiten, meinen Weg voller Zuversicht und voller Mut gehen. Und manche Sorgen, die lassen sich sowieso mit einem Lächeln, einem freundlichen Gesicht eher besiegen als mit einer sorgenvollen Miene, die uns selbst und allen anderen jeglichen Optimismus nimmt.
Schon 1883 wusste der Pfarrer von St. Lamberti in Münster, dass ein Gebet, selbst bei großen Sorgen mit einem Lächeln gesagt, das Herz befreit und Gott mit Sicherheit ganz gut gefällt:
Lass die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts– und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir in den Himmel kommen – aber bitte nicht sofort. Amen.“
Bertram Bolz, Diakon
Kath. Touristen- und
Residentenseelsorger
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