Als den Guanchen die Jungfrau erschien

Auf Teneriffa wird die heilige Jungfrau von Candelaria bis heute von den Inselbewohnern verehrt. Ein Mal im Jahr machen sich die Menschen auf einem Pilgerweg auf den Weg nach La Candelaria um die Jungfrau zu ehren.

Diese Verehrung basiert auf einer Legende, die man sich auf Teneriffa erzählt. Der Legende zufolge hat sich im Jahre 1390 ein wundersames Ereignis zugetragen.

In der Nähe von Güimar, am Barranco Chinguaro, hatten zwei Hirten, Untertanen des damaligen Menceys Acaymo (König der Guanchen), ihre Schafe auf die Weide geführt. Plötzlich entdeckte einer der Hirten eine strahlenden Frauengestalt in der Nähe des Strandes.

Als sich die neugierigen und erschrockenen Hirten der Gestalt näherten, wurden sie durch das Licht, das diese ausstrahlte, verwirrt. Einer der beiden versuchte mit einem Stein auf die Gestalt zu werfen um zu sehen ob es sich um eine Erscheinung oder um eine wahre Gestalt handelte. Als der Hirte mit dem Stein werfen wollte, erstarrte dieser plötzlich und konnte sich nicht mehr bewegen. Sein Begleiter nahm ebenfalls einen spitzen Stein in die Hand und wollte überprüfen, ob diese Erscheinung nur eine Statue oder tatsächlich menschlicher Gestalt war. Als er versuchte die Hand der Frauenfigur mit dem Stein zu verletzen, merkte er, dass es seine eigenen Hand war, die nun verletzt war und blutete.

Die Hirten wussten nicht wie ihnen geschah und machten sich auf um dem Mencey Acaymo von dieser Begegnung zu berichten. Dieser wollte sich selbst von der Erscheinung überzeugen und folgte den Hirten. Als er die strahlende Gestalt erblickte, war er sich bewußt, daß es sich um etwas Übermenschliches handelte. Er befahl dem verwundeten Hirten die Frau zu berühren und siehe da! Seine Hand war geheilt.

Acaymo ließ die Figur in seine Höhle bringen und alle Guanchen seines Königsreiches durften die schöne Gestalt bewundern. Anschließend wurde die Figur in die Höhle Achbinico in der Nähe des Strandes bei Candelaria gebracht.

Etwa 40 Jahre später teilte ein entflohener Gefangener der spanischen Eroberer, namens Anton, den Ureinwohnern mit, daß es sich bei der Figur, die sie verehrten, um die heilige Jungfrau Maria handle. Die Marienstatue wurde von den Guanchen Chaxiraxis (Mutter, die die Welt erhält) genannt.

In die Höhle Achbinico kamen die Guanchen um die Jungfrau zu ehren und um Hilfe zu bitten. In der Höhle verblieb die Figur bis ins Jahr 1826 bis sie durche eine Sturmflut von den Wellen der Höhle entrissen wurde und wieder dort verschwand, wo sie vor langer Zeit hergekommen war.

Heute finden wir eine Nachbildung der heiligen Jungfrau (La Virgen de Candelaria) in der Kirche von Candelaria. Viele Menschen kommen jährlich um die heilige Statue der Virgen de Candelaria anzubeten und sie um Gesundheit zu bitten.


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