Närrisches aus Kindermund
Internet-Kanzel
Die Karnevalstage treiben hier auf Teneriffa in diesen Tagen ihrem Höhepunkt entgegen. Und wenn es in Deutschland am Fastnachtsdienstag heißt: „Alles vorbei – auf eine Neues im kommenden Jahr“, dann wird hier auf der Insel noch munter weiter gefeiert. Der Mensch braucht diese Zeit, die schon im Mittelalter bestehende Ordnungen und Machtverhältnisse, wenigstens für einen bestimmten Zeitraum, auf den Kopf gestellt hat. Die Armen verkleideten sich als Reiche, die Untertanen als Mächtige und sie benahmen sich entsprechend. Diese närrische Zeit hat also etwas Umstürzlerisches, etwas Revolutionäres an sich – allerdings gewaltfrei, manchmal etwas derb, aber meistens doch recht witzig. Nicht umsonst heißt ein altes Sprichwort: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Was ist damit gemeint?
Nun mit einigem Humor werden da Dinge gesagt, die unter die Oberfläche gehen und Vordergründiges lässt eine tiefere Bedeutung erahnen. Kritisches, welchem man sonst eher aus dem Wege geht, kommt an – ohne das es weh tut. Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Ich habe mir aus der langen Zeit, in der ich ja schon in Deutschland Seelsorger war, ein paar solcher Anekdoten aus dem Religionsunterricht und dem Gemeindeleben aufbewahrt:
Auf die Frage nach dem „Weltgericht“ antwortete Verena ganz spontan und im Brustton der Überzeugung „Pizza“. Weltweit die Lieblingsspeise unzähliger Menschen. Sie hat dann relativ schnell bemerkt, dass das wohl nicht die richtige Antwort sein konnte und sagte energisch: „Warum muss ein Religionslehrer auch immer so unverständliche Sachen fragen!“
Oder der einmal erzählte mir jemand: „Kennen Sie den? Da kommen Leute in die Hölle. Sie sind bass erstaunt darüber, dass hier alles ganz anders ist als sie es bislang gehört hatten. Es gibt Essen und Trinken in Hülle und Fülle, tolle Musik und alle nur erdenklichen Freizeitvergnügungen. „Das ist ja wie im Himmel“, sagt da der eine, „wir haben uns die Hölle immer ganz anders vorgestellt.“ „Etwa so?“, zeigt ihm da einer der freudigen Bewohner und zeigt auf einen Brunnenschacht aus dem Rauch aufsteigt und Menschen gequält aufstöhnen. Erregt danach gefragt, was denn das sein soll, antwortet der Bewohner: „Das sind alles Christen. Die wollen das so.“
Kinder und Narren sagen die Wahrheit. So auch Oliver – der sich mit dem Aufstehen unheimlich schwer tat. Immer wenn die Mutter morgens aufmunternd an die Tür klopfte und „Aufstehen“ sagte, da knurrte der „ich mag nicht“ und drehte sich wieder um. In ihrer Not ging die Mutter zum Seelsorger und fragte: „Wissen sie vielleicht, was den Buben in der Frühe aus dem Bett helfen könnte?“ – „Versuchen sie es doch mal mit einem Bibelwort!“, antwortete der. Zuversichtlich ging die Mutter nach Hause und probierte den Ratschlag am anderen Morgen gleich aus. Triumphierend rief sie: „Jüngling, ich sage dir, steh auf…!“ Der Oliver aber drehte sie wieder um und antwortete betont langsam: „Weib, sei still. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Oder mir fällt die kleine Sara ein. Jeden Abend bekommt sie von der Mutter vor dem Einschlafen das Kreuz auf die Stirn. Eines Abends aber hatte sie so schlechte Laune, dass sie diese Geste der Mutter trotzig verhinderte. Nachher aber plagte sie ein schlechtes Gewissen und sie wollte es beichten. Nun fand sie aber nichts entsprechendes im Beichtspiegel für die Kinder. Deshalb schaute sie bei den Erwachsenen nach und erspähte eine Formel, die ihr passend erschien. Und so klagte sie beim folgenden Beichtgespräch: „Ich habe Kindersegen verhütet.“
Es kann aber auch so sein: Dem Gottesdienst schloss sich das Gemeindefest an, mit einem bunten Programm für Jung und Alt. Als die Eltern nach zwei Stunden Fest mit Marc nach Hause gehen wollten, da fragte dieser erstaunt: „Ist die Kirche schon aus?“
Ja – ist die Kirche schon aus – wenn sie aus ist? Was Narren und Kinder aber auch für Fragen stellen können…!
Bertram Bolz, Diakon
Kath. Touristen- und Residentenseelsorger
Kapelle San Telmo, Puerto de la Cruz
Alle 14 Tage sonntags im Sonneninsel-Teneriffa.de-Blog














