Sieben Sünden – oder was ein Eis uns sagen kann (III)

Internet-Kanzel

Bertram Bolz, katholischer Touristen- und ResidentenseelsorgerOb es nun geschmacklos ist, wenn das „Magnum-Eis“ von Langnese sich nun ausgerechnet „Sieben Sünden“ nennt – diese Kritik mancher Kirchenleute interessiert mich eigentlich weniger. Mehr interessiert mich da schon, was uns denn die Eismänner zu sagen haben – z.B. mit GEIZ. Geiz ist geil – dieser Werbespruch wurde in Deutschland innerhalb kürzester Zeit der Renner. Und mich wundert eigentlich, dass das Eis nicht Geiz sondern in der alten Form HABGIER heißt. Aber letztlich sind es nur zwei Wörter für eine der sieben Hauptsünden, wie sie die Moral der Kirche seit Jahrhunderten lehrt. Zwar ist Geiz vielleicht chick oder gar geil. Der Geiz ist sicher auch verständlich; schließlich macht es ja wirklich ein gutes Gefühl, alles zu haben und sich noch mehr leisten zu können. Andererseits erlebe ich geizige und habgierige Menschen oft so missmutig und unausstehlich. Sie machen ihr Herz und ihr Portemonnaie dicht und fest zu, wenn jemand ihre Hilfe braucht – obwohl es ihnen keinerlei Schwierigkeiten bereiten würde, anderen tatsächlich Hilfe zu leisten. Sie geben nichts – nicht mal was vom eigenen Überfluss. Wenn alle Menschen so wären, dann sehe es wirklich trostlos aus in dieser Welt.
Aber da gibt es ja nun Gott-sei-Dank auch die anderen; die Menschen, die sich für die kirchlichen Hilfswerke engagieren, die z.B. den Hungernden in Afrika oder der Aufbauhilfe für den Irak etwas zukommen lassen, damit diese Menschen einen kleinen Lichtblick in ihrem trostlosen Alltag erleben. Ich gönne jeder und jedem von ihnen – nicht nur in den Urlaubstagen auf Teneriffa – dieses Magnum aus Amaretto und Tiramisu-Stückchen. Vielleicht lassen Sie sich aber auch gelegentlich dazu verführen, Habgier und Geiz zu vergessen, das Eis in der Truhe zu lassen und aus dem Geld eine Spende zu machen – denn da draußen in der weiten Welt gibt es genug Menschen, die an Kaffeesauce und Habgier gegenüber anderen nicht mal denken können.
In der Eisedition „Sieben Sünden“ gibt es bei Magnum dann auch noch die FAULHEIT! Ein reichhaltiges Vanilleeis mit Karamelsauce und Erdnussstückchen – so zumindest sagt es die Werbung. Vielleicht fragen Sie sich: Wieso ist denn Faulheit eine Sünde? Das ist doch nur der Eindruck dieser biederen und bürgerlichen Moral – oder wie man im schwäbischen sagt: Schaffe, schaffe Häusle baue. Als ob das cool wäre. Faulheit ist „in“ – und eine Gesellschaft, die mehr als vier Millionen Menschen gegen deren Willen zum Nichtstun verurteilt, die hat doch kein Recht, die Faulheit zu verurteilen!? Und trotzdem: Seit mehr als 1500 Jahren steht die Faulheit auf der Liste der sieben Hauptsünden. Dabei meint diese Sünde allerdings weit mehr, als nur faul auf der Couch herum liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Offiziell heißt diese Sünde: „Trägheit des Geistes“. Sicherlich: Zuviel Faulheit kann diese Trägheit auslösen und fördern. Andererseits ist sie aber auch eine Folge davon. Deswegen fühlen sich z.B. manche so unsagbar müde, wenn sie nach dem Urlaub wieder an die Arbeit oder in die Schule müssen. Aber das ist keine Sünde, das ist natürlich und normal. Eine Sünde wird es erst dann, wenn jemand diese Faulheit hegt, wenn er oder sie diese Trägheit und diese Unlust pflegt. Für mich ist das dann der Fall, wenn man ganz gezielt und bewusst die Wirklichkeit nicht mehr wahrnehmen will und sich nur noch von anderen aushalten lässt. Das aber ist etwas ganz anderes als das, was man jungen Menschen heutzutage oft vorwirft. Ihnen sagt man nach, sie pflegten diese „Trägheit des Geistes“, weil da eine ganz unpolitische Generation heranwachsen würde.
In vielen Demonstrationen – sei es nun gegen Gewalt gegen Ausländer, gegen Studiengebühren oder auch bei Schweigemärschen nach den Amokläufen der vergangenen Jahre – haben die Kids und Teens bewiesen, dass das Quatsch ist. Träge oder gar faule Geister hätten keine Lichterketten organisiert. Hätten sich auch nicht stark gemacht, ein Ende des Krieges im Irak immer wieder anzumahnen und einzufordern. Gerade dafür – für dieses Engagement – möchte ich – ohne die Erwachsenen dabei zu verprellen – gerade den Jugendlichen mal ganz herzlich Danke sagen. Und als Dank – als Dank können sie sich ja mal ein Eis genehmigen das durchaus den Titel: FAULHEIT trägt!

Bertram Bolz, Diakon
Kath. Touristen- und
Residentenseelsorger

Kapelle San Telmo, Puerto de la Cruz


Antwort hinterlassen: