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Ein Eisberg für Teneriffa

Vision oder Realität

Wie kommt man auf die Idee, einen Eisberg nach Teneriffa zu bringen und warum?

Das Grundproblem ist der enorme Trinkwassermangel in einigen Gebieten der Erde.
Dazu gehören natürlich viele afrikanische und arabischen Länder.

Aber auch auf den Kanarischen Inseln und damit auch auf Teneriffa ist Trinkwasser sehr knapp oder von nicht sehr guter Qualität.

Ein Großteil des Trinkwasser hier kommt aus Meerwasser-Entsalzungsanlagen.

Leider führen der enorme Energieverbrauch und die entstehenden Abwässer zu immer größer werdenden Umweltproblemen.

Aber da gibt es ja die riesigen Eisberge Grönlands.

Bis zu drei Kilometer dick ist dieser eisige Panzer, die zweitgrößte Eisfläche der Antarktis. Jedes Jahr schmelzen davon 350 Milliarden Tonnen und fließen ungenutzt ins Meer.

Warum nicht als Trinkwasser nutzen?

Der französische Ingenieur Georges Mougin dachte schon vor 40 Jahren darüber nach, diese Wassermassen dorthin zu bringen, wo sie dringend benötigt werden.

Es begann für die Wissenschaftler eine gründliche Grundlagenforschung.

Vom Schiff oder Heißluftballon aus nahmen Mougin und andere Wissenschaftler die Eisberge sowohl am Nord- als auch am Südpol unter die Lupe.

Und er kam zu der Einsicht: „In der Arktis entstehen genug Eisberge, um den Wasserbedarf der ganzen Menschheit zu decken. Einen Eisberg zu versetzen bedeutet nichts anderes als ihn an anderer Stelle schmelzen zu lassen. Letztlich schmelzen doch alle Eisberge.“

Aber ist das wirklich so simple?

In Grönland und Neufundland werden die Möglichkeiten und Bedingungen für den Transport von Eisbergen geprüft.

In Computeranimationen konnte das Projekt schon verwirklicht werden.

Im internationalen Büro von Dassault Systí¨mes trafen sich Meteorologen, Ozeanologen und Gletscherforscher und planten den Transport eines Eisbergs von der kanadischen Küste bis zu den Kanarischen Inseln – auf der Karte nur ein kleines Stück.

Dieses Thema erregte vor allem auch die Aufmerksamkeit arabischer Scheichs und Prinz Mohammed Al-Faisal Al-Saud hat diese Idee aktiv, vor allem finanziell, unterstützt.

Den Auftrag einen Eisberg der Antarktis in das Rote Meer zu schleppen vergaben die Saudis an den französischen Polarexperten Paul-Emile Victor. Aber leider gelang es nicht.

Im Jahr 1975 riefen dann Victor und Mougin ein neues Eisbergprojekt ins Leben und 1977 fand in den USA die erste Internationale Konferenz zur Ausbeutung von Eisbergen statt.

Auch diesen neuen Einstieg hat Prinz Al-Faisal Al-Saud wieder unterstützt.

Aber auch dieses Projekt führte aus technischen und finanziellen Gründen nicht zum Erfolg.

Paul-Emile Victor ist 1995 in Bora Bora gestorben, aber der Traum vom Eisbergprojekt blieb bei Georges Mougin erhalten.

2002 startet er ein neues Konzept.

Fieberhaft forscht man an der Möglichkeit Trinkwasser aus Eisbergen zu gewinnen und das vorzeitige Schmelzen der Eisberge zu verhindern.

Die Prognosen, dass 2025 schon mehr als 50 Länder Trinkwasserprobleme haben werden sind ein gewichtiger Grund für die Wissenschaftler weiter zu forschen.

Schon heute sind 1,2 Milliarden Menschen davon betroffen und täglich sterben 34.000 Menschen an Wassermangel.

Allein in Europa sind es 20 % der Bevölkerung, die unterversorgt sind.

In jüngster Vergangenheit wurde in einer Dokumentation des ZDF beeindruckend über die Pläne berichtet.

Darin wird auch berichtet, dass diese Eisberge das sauberste Trinkwasser überhaupt liefern könnten. Denn es gefror vor vielen Tausend Jahren, als die Welt noch sauber war.

Zitat von Ron Stamp: „Es ist das beste Wasser der Welt, weil es keine Schadstoffe enthält.“

Er verkauft übrigens schon dieses Wasser seit 15 Jahren. Ein Bagger auf seinem Schiff bricht immer wieder Stücke aus den Eisbergen vor Grönland. Es wird dann zerkleinert und in Tanks und später in Flaschen abgefüllt.

Allerdings – dieses Wasser ist erstmal nur in Luxushotels und Edelrestaurants zu erhalten und kostet bis zu 18 € pro Flasche.

Der Traum von Mougin hingegen ist die Trinkwassersorgung für Menschen mit Wassernot, also der Transport von großen Eisbergen bis vor die Küste Saudi-Arabiens zum Beispiel.

Er hält nach wie vor fest an seiner Vision und die Computeranimationen geben ihm Recht.

Im Moment gehen diese Animationen von einer Route zwischen Neufundland und den Kanarischen Inseln aus, denn auch dort – wie schon beschrieben – gibt es Trinkwasserprobleme.

Für den Transport dürfen die Eisberge nicht zu riesig sein, also werden die Ungetüme genauesten vermessen. Und zwar mit Sensoren an Tauchrobotern, denn rund 85 % des Eises liegen bekanntlicherweise unter Wasser.

Dieses Problem und die Auswirkungen für die Schifffahrt – siehe z.B. den Untergang der Titanic – führte dazu, dass es schon Spezialschiffe gibt, die Eisberge abschleppen um sie unter anderem an Zusammenstößen mit Bohrinseln zu hindern.

Aber einen Eisbergtransport bis zu den Kanarischen Inseln ist natürlich nochmal etwas ganz anderes.

Das Abschmelzen unter Wasser auf einer so langen Reise muss so gering wie möglich gehalten werden und das ist die eigentliche Voraussetzung.

Das Abschleppen macht gewichtsmäßig eigentlich keine Probleme.

Deshalb planen die Forscher rund um Mougin, die Eisberge in einer Thermohülle einzupacken.

Und weil die Eisberge sowieso schon rund 3.000 km weit treiben, müssen die Forscher das Eis auch nicht vor Grönland einfangen, sondern können die rund 7 Millionen Tonnen schweren Kolosse in Neufundland in Empfang nehmen.

Noch sind es Simulationen, aber die Unbill des Wetters – wie Stürme und Unwetter – und die Windkraft – die Schiffe sollen zusätzlich mit Segeln ausgestattet werden – werden vollständig mit eingeplant.

Nach diesen Berechnungen wird so eine Reise zwischen Neufundland und den Kanaren rund 141 Tage dauern und von den 7 Millionen Tonnen würden immerhin noch 4 Millionen Tonnen übrig bleiben.

Damit ist dann eine Versorgung von rund 70.000 Menschen für ein ganzes Jahr gewährleistet.

Die entstehenden Transportkosten betragen rund 4.000 Tonnen Sprit, also ein Liter auf 1.000 Liter Trinkwasser.

Der theoretische Beweis ist erbracht – was fehlt sind Investoren, die eine solche Reise ermöglichen.

Damit wäre die Wasserversorgung der Kanarischen Inseln zum Teil gesichert und mal ganz ehrlich – es ist doch sicherlich auch eine Attraktion der besonderen Art beim nächsten Teneriffa-Urlaub am Strand zu liegen oder im Meer zu baden und vor der Küste einen Eisberg liegen zu sehen.

Hier finden Sie die spannende ZDF-Dokumentation zum Thema:
ZDF Mediathek: Wasser für die Welt



3 Reaktionen zu “Ein Eisberg für Teneriffa”

  1. Stockner Herbert

    Die beste Idee scheitert an den Entscheidungsträgern!
    Das Abschmelzen südlich des Äquators hat mehrere positive Auswirkungen.
    Die Golfströhmung wird weniger durch Süßwasser gefährdet, das Süßwasser an den Entsalzungsanlagen veringert den Solegehalt welcher wieder in das Meer abgeleitet wird, also weniger Schaden an den Biologischen Auswirkungen der Meerwasseraufbereitung zur Trinkwasserversorgung.
    Eisberge zu transporieren funktioniert ohne Dieselöl.
    Durch große Segel direkt auf den Eisbergen immer wieder verwendbar und durch 2 Module der PELAMIS Wellenenergiegewinnung als Energieeinsatz 6 mal etwa 125 Kw Elektroantrieb und zusätzlich einer mobilen Photovoltaikanlage bewirken eine völlig Nachhaltige CO2 freie Überführung eines Eisberges.
    Unsere Erde braucht derartige Wasserversorgung für die VAE bis Afrika und Cran Canaria, Spanien, Portugal weden dazukommen.

    Stockner Herbert
    BUCH Autor von EURARKTIS
    Hochfeldstr.6 5330 Fuschl am See Austria
    E-Mail stocknerherbert@a1.net
    Tel.: 0043 676 3269165

  2. Martin

    Einen einzelnen Eisberg durch tropische Gewässer zu ziehen wird gewiß keine größere Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Wird dieses aber massenhaft gemacht, wird daraus das nächste Ökoproblem.

    Je wärmer das Meer ist desto schneller schmilzt natürlich auch das Eis und hinterlässt eine eiskalte Strömung, die zahlreiche Kleinstlebewesen sofort töten kann. Tropische Korallen beispielsweise verenden sofort wenn die Wassertemperatur unter 20 Grad sinkt.

    Solche Vorhaben sind unkontrollierbar und sollten daher unterlassen werden.

  3. Stockner Herbert

    Überdachte Situation 2012 durch Klimaerwärmung!
    Das Wasser aus der Arktis wie auch der Antarktis kommt von alleine in die Gebiete mit Wasserversorgungsproblemen. Der Meerespiegel steigt an, und eben dieses Wasser sollte einfach vom Meer in sogenannten Verdunstungstunnels zu Süßwasser umgewandelt werden und in Grundwassertälern gespeichert werden. Wüsten wie in den VAE könnte man in Grünlandoasen umwandeln und der Wasservorrat durch derartig einfache Projekte erreichen.
    Verdunstungstunnels in Kanalstrukturen direkt vom Meer in das Festland sind die Lösung der Wasserversorgung und sorgen für einen Ausgleich des Meerespiegelanstieges.

    Stockner Herbert