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Kanarischer Hexenkult

Der Archipel der Kanarischen Inseln hat eine lange Tradition von Hexenkunst, Hexenkult und Dämonenbeschwörung. Diese Tradition ist bis heute am Leben und wird noch teilweise auf Teneriffa und den anderen Kanarischen Inseln praktiziert.

Zurückzuführen ist der Hexenkult bereits in die Zeit der Guanchen, der Ureinwohner Teneriffas. Durch Überlieferungen und Fundstücke ist bekannt, dass die Guanchen ein wohl organisiertes Gesellschaftssystem besaßen. Jeder Clan der Ureinwohner hatte seine eigenen Curanderos (Heiler) und Magos (Magier). Zur Zeit der Guanchen wurden die wichtigen Ämter dieser Heiler noch den Männern zugesprochen. Die Curanderos hatten allerdings eine Reihe von so genannten Harimaguadas (Hohenpriesterinnen) als Gehilfinnen zu ihrer Seite. Die Harimaguadas dienten vor Allem als Orakel und waren nicht für Heilungen in der Gesellschaft zuständig.

Durch die späteren Einflüsse von Juden, Zigeunern, Mauren und Sklaven aus dem südamerikanischen und afro-karibischen Raum wurde der Hexenkult der Guanchen erweitert und so entstand der letztendliche kanarische Hexenkult.

Die Hexen der Kanarischen Insel teilen sich in verschiedene Gruppen auf. Es gibt auf einer Seite die Santiguadora, die für die Heilung von Krankheiten zuständig ist und gewisse Gottheiten um Gesundheit für Kranke bittet. Die Curandera ist ebenfalls für die Heilung von Leiden zuständig, übernimmt jedoch den praktischen Part und verwendet Kräuter und Tinkturen, während die Santiguadora rein auf spiritueller Ebene arbeitet. Diese beiden Arten von Hexen sind also für die weiße Magie zuständig.

Die Bruja (wörtlich übersetzt Hexe) hingegen ist in der schwarzen Magie tätig und erhält ihre Macht von Dämonen, von denen sie umgeben ist. Zaubersprüche und Riten, die den Menschen schaden, werden der Bruja zugeschrieben. Eine weitere Zauberin der schwarzen Magie ist die Hechicera, die Tieren und Menschen Schaden zufügt. Die Hechicera verwendet dem Vudu ähnliche Praktiken um das Böse zu verbreiten.

Das wichtigste Ritual der Hexen auf den Kanarischen Inseln ist das Aquelarre, bei dem in den hintersten Bergen ein Feuer angezündet wurde, um das sich die Hexen versammelten. Aquelarre fanden montags, donnerstags oder samstags statt. Die Hexen vermuteten in allem was mit Blut und Sexualität zu tun hat den Teufel und so tranken Sie Blut von unschuldigen Tieren und Menschen und praktizierten sexuelle Handlungen um das Lagerfeuer. Es wurden halluzinogene Pflanzen ins Feuer geworfen und deren Dämpfe wurden inhaliert. Die Halluzinogene führten zu diabolischen Visionen und der Sensation des Fliegens, das den Hexen ein besonderes Machtgefühl vermittelte. Die Austragungsorte solcher Riten nennen sich Bailaderos (Hexentanzplatz).

Auf Teneriffa gibt es noch heute einen Bailadero auf der Hauptstrasse TF12, in der Nähe einer Kreuzung von San Andrés in Richtung des Tunnels nach Taganana. Der Ort nennt sich noch heute Bailadero und hat was Mysteriöses an sich. Der Nebel, zieht über den Bergkamm und fällt wie ein Schleier über den Platz.

Die Einheimischen erzählen sich Geschichten über Hexerei, Flüche und wundersame Heilungen. Noch heute haben die Tinerfeños viel Respekt vor dem Hexenkult und bei negativen Ereignissen wird oft ein Maleficio (Fluch) vermutet. Bei verschiedenen Krankheiten wird von den Einheimischen manchmal eine Curandera oder Santiguadora aufgesucht um ihre Leiden zu lindern.



6 Reaktionen zu “Kanarischer Hexenkult”

  1. martin

    Es würde mich interessieren aus welchen kanarischen Pflanzen die Rauschzustände der Hexen erzeugt worden sind?

    Gesehen habe ich auf Tenneriffa häufiger das Nachtschattengewächs Stechapfel.
    Gibt es auf den Kanaren weitere Nachtschattengewächse?

    Bei einer Wanderung im Orotatal habe ich eine Vielzahl Pilze (u.a. Champignons und Parasolähnliche) gesehen. Die meisten Pilze waren mir aber unbekannt.

    Für mich stellt sich da die Frage, ob es auf den Kanaren Rauschpilze gibt? (Fliegenpilze? Psilocybine?)

    Schamanismus und Hexenkult ist in der Regel in Gegenden anzutreffen, wo letztgenannte Pilzsorten wachsen….

  2. Sacha v.Z.

    Engelstrompeten wachsen auch auf Teneriffa.
    Stellt sich nur die Frage, ob die Nachtschattengewächse schon da waren, als die ersten Europäer kamen, oder von diesen eingeführt worden sind?

  3. Anna

    Es gibt auf alle Fälle Fliegenpilze und andere psychotrope Pilze auf der Insel, hab ich selber schon gesehen und per Pilzbuch identifiziert. Des Weiteren wurde eine Pflanze namens Sildana für den Rauschzustand der Guanchen verwendet. Die Pflanze wurde im Feuer verbrannt und es wurden die Dämpfe inhaliert. Ich weiss allerdings nicht wie die Sildana Pflanze auf Deutsch heisst, sie sieht ein bisschen aus wie Ginster.

  4. Anna

    und ich denke mal, wenn die Guanchen das verwendet haben, dann werden sich das die Hexen das wohl bei denen abgeschaut haben, oder?? ;

  5. martin

    Hallo Anna,

    in Deutschland und den skandinavischen Ländern wachsen Fliegenpilze gerne unter Birken aber auch unter Fichten habe ich sie gesehen, nehme mal an dass sie auf den Kanaren unter Kiefern wachsen. Mich würde interessieren ob die psychotropen Pilze die du gesehen hast auf Weiden (Schafsweiden oder Pferdekoppeln) wuchsen?

    Habe leider nichts über die Sildanapflanze ergoogeln können….

    meiner Vermutung nach, ist der von Dir beschriebene Hexenkult ein Überbleibsel der Guanchenkultur, – die Männer sind vermutlich zum größten Anteil in die neue Welt versklavt worden. Viele Frauen werden aber auf den Kanaren zurück geblieben sein, da die Conquistadoren in der Regel ohne weibliche Begleitung angereist kamen, aber ihren Fortpflanzumgstrieb nicht zuhause gelassen hatten. So wird auf den Kanaren ähnlich wie in der neuen Welt eine Mischlingsrasse entstanden sein und die Frauen werden das ein oder andere Wissen Ihrer Kultur an ihre Kinder und Enkelkinder weitergereicht haben.

  6. Anna

    Hallo Martin,
    das ist ja sooo interessant was du schreibst! Also wie du sagtest, die Fliegenpilze hab ich unter den Kiefern gesehen und die anderen Pilze hab ich auf einer Wiese gesehen, ich weiss allerdings nicht ob dort manchmal Tiere gehalten werden, es sah aber nicht danach aus. Dort gab es Kastanienbäume.

    liebe Grüsse

    Anna